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Handlungsfeld 2 · Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung mitwirken

Die Stellenanzeige für Ausbildungsplätze: so erreicht sie junge Menschen

Viele Ausbildungsanzeigen klingen wie Stellenausschreibungen für Führungskräfte. Wie du eine Anzeige schreibst, die Jugendliche verstehen, und dabei rechtlich sauber bleibst.

5 Min. Lesezeitvon Oliver MischStand November 2026

„Wir suchen zum 1. August einen motivierten Auszubildenden (m/w/d) zum Industriekaufmann. Sie verfügen über einen guten Realschulabschluss, sind teamfähig, belastbar und kommunikationsstark.“ So oder ähnlich beginnen viele Ausbildungsanzeigen. Das Problem: Ein 16-Jähriger liest das, erkennt sich darin nicht wieder und klickt weiter.

Eine gute Ausbildungsanzeige beantwortet die Fragen, die junge Menschen wirklich haben: Was mache ich da den ganzen Tag? Was verdiene ich? Wer sind die Leute? Wie bewerbe ich mich, ohne mich zu blamieren? Sie ist ehrlich, konkret, rechtlich sauber und dort zu finden, wo die Zielgruppe sucht. Diese Seite zeigt Aufbau, Sprache, die Regeln des Gleichbehandlungsgesetzes und die wichtigsten Veröffentlichungswege.

Der Aufbau einer guten Anzeige

Eine bewährte Reihenfolge sieht so aus:

  1. Beruf und Eckdaten: genaue Berufsbezeichnung, Beginn, Dauer, Ausbildungsort. Bei mehreren Standorten oder einer Verbundausbildung gehört das hierher.
  2. Kurz zum Betrieb: zwei, drei Sätze. Was macht ihr, wie groß seid ihr, was ist das Besondere? Die Firmengeschichte seit der Gründung interessiert an dieser Stelle niemanden.
  3. Was du lernst: konkrete Tätigkeiten statt abstrakter Kompetenzen. „Du baust Schaltschränke nach Plan, suchst Fehler in Steuerungen und fährst mit zu Kunden“ sagt mehr als „vielseitige Tätigkeiten im Bereich Elektrotechnik“.
  4. Was du mitbringen solltest: wenige, realistische Anforderungen, abgeleitet aus dem Anforderungsprofil. Unterscheide klar, was nötig ist und was nur schön wäre.
  5. Was wir bieten: Ausbildungsvergütung, Arbeitszeiten, Betreuung, Übernahmechancen, Zusatzleistungen. Konkrete Angaben schlagen Floskeln.
  6. Bewerbung: wie, bis wann, an wen. Mit Namen und Telefonnummer einer echten Ansprechperson.

Die Länge ist zweitrangig. Wichtiger ist, dass jemand in einer Minute erfassen kann, worum es geht, und dass die Anzeige auch auf dem Smartphone gut lesbar ist. Genau dort wird sie meistens gelesen.

Sprache, die junge Menschen erreicht

Ob du duzt oder siezt, hängt vom Betrieb und der Branche ab. In Handwerk, Gastronomie und IT ist das Du verbreitet, in Banken und Versicherungen eher das Sie. Wichtiger als die Anredeform ist, dass die Anzeige verständlich ist und zur Kultur passt. Wer in der Anzeige duzt, im Betrieb aber alle siezen lässt, sorgt für Irritation.

Ein paar Regeln helfen fast immer: kurze Sätze, aktive Verben, keine Abkürzungen, die nur Insider kennen. Statt „Bearbeitung von Kreditoren- und Debitorenvorgängen“ lieber „Du prüfst Rechnungen von Lieferanten und schaust, ob unsere Kunden pünktlich zahlen“. Begriffe wie „belastbar“ oder „flexibel“ sagen wenig und schrecken eher ab. Wenn du Schichtarbeit oder Wochenenddienste meinst, schreib das ehrlich hin.

Ehrlichkeit zahlt sich aus. Eine Anzeige für eine Ausbildung zur Köchin, die nur von Kreativität und Teamgeist spricht und die Arbeitszeiten am Abend verschweigt, führt zu Bewerberinnen, die nach drei Wochen merken, dass der Beruf nichts für sie ist. Ein ehrlicher Satz wie „Du arbeitest oft abends und am Wochenende, dafür hast du unter der Woche frei“ sortiert früh und fair vor.

Tipp: Lies deine Anzeige einem Azubi aus dem zweiten Ausbildungsjahr vor. Wenn er sich darin nicht wiedererkennt, schreib sie um.

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Sauber nach dem AGG formulieren

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Benachteiligungen unter anderem wegen Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft, Religion, Behinderung und sexueller Identität. Eine Stellenanzeige darf deshalb niemanden aus diesen Gründen ausschließen oder benachteiligen. Das beginnt bei der Berufsbezeichnung: Mit dem Zusatz (m/w/d) oder einer neutralen Formulierung machst du deutlich, dass sich alle angesprochen fühlen sollen.

Fallstricke stecken oft in Details. „Junges, dynamisches Team“ kann als Hinweis verstanden werden, dass ältere Bewerber unerwünscht sind. Das ist gerade bei Umschülern oder Spätstartern relevant, die sich ebenfalls auf Ausbildungsplätze bewerben. „Deutsch als Muttersprache“ kann an die ethnische Herkunft anknüpfen. Besser ist „sehr gute Deutschkenntnisse“, wenn sie für die Tätigkeit wirklich nötig sind. Auch Bilder sprechen mit: Zeigen alle Fotos nur junge Männer an der Werkbank, entsteht schnell der Eindruck, Frauen seien dort nicht vorgesehen. Gemischte Bilder aus dem echten Betrieb vermeiden das und wirken nebenbei glaubwürdiger. Mehr zu den Regeln im gesamten Verfahren findest du bei Das AGG im Auswahlverfahren.

Eine Formulierung, die Bewerber benachteiligt, kann zu Entschädigungsansprüchen führen. Lass deshalb jede Anzeige vor der Veröffentlichung von einer zweiten Person gegenlesen, am besten von jemandem, der nicht an der Formulierung beteiligt war.

Vergütung nennen oder nicht?

Viele Betriebe scheuen sich, die Ausbildungsvergütung in die Anzeige zu schreiben. Für Jugendliche ist das aber eine der wichtigsten Informationen, und sie vergleichen. Wer nach Tarif oder darüber zahlt, sollte das zeigen. Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung für einen Ausbildungsbeginn im Jahr 2026 liegt im ersten Jahr bei 724 Euro. Mehr dazu im Ratgeber Ausbildungsvergütung und Mindestlohn.

Auch andere Leistungen gehören in die Anzeige, wenn es sie gibt: Zuschuss zum Fahrticket, Prämien bei guten Prüfungsergebnissen, Unterstützung beim Führerschein, gemeinsame Azubi-Ausflüge, feste Ansprechpartner. Konkrete Angaben machen den Unterschied zu Floskeln wie „attraktive Vergütung“ und „abwechslungsreiche Aufgaben“, die in fast jeder Anzeige stehen und deshalb niemandem mehr auffallen.

Wo die Anzeige erscheinen sollte

Die wichtigsten Veröffentlichungswege für Ausbildungsplätze:

  • Jobbörse der Agentur für Arbeit: Sie ist kostenlos und wird von der Berufsberatung genutzt. Gemeldete Plätze werden auch Jugendlichen vorgeschlagen, die sich dort beraten lassen.
  • Lehrstellenbörsen der Kammern: Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern betreiben eigene Börsen, die von Schulen und Eltern genutzt werden.
  • Eigene Karriereseite: Hier landen alle, die über andere Wege auf den Betrieb aufmerksam geworden sind. Die Anzeige sollte dort aktuell und vollständig sein.
  • Soziale Netzwerke und Ausbildungsportale: sinnvoll, wenn sie zur Zielgruppe passen und jemand Rückfragen zeitnah beantwortet.
  • Analoge Wege: Aushang in Partnerschulen, im Laden, am Firmenfahrzeug oder im Schaufenster. Gerade im Handwerk und im Handel funktioniert das oft erstaunlich gut.

Welche Kanäle insgesamt sinnvoll sind, gehört zur Strategie des Ausbildungsmarketings. Die Anzeige ist nur ein Baustein davon.

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Die Bewerbung leicht machen

Selbst die beste Anzeige verpufft, wenn die Bewerbung zur Hürde wird. Viele Jugendliche scheitern nicht am Interesse, sondern am Anschreiben. Überleg, was du wirklich brauchst. Für einen ersten Eindruck reichen oft Lebenslauf und letztes Zeugnis. Manche Betriebe bieten an, sich per Kurznachricht oder Online-Formular in wenigen Minuten zu bewerben. Dann muss allerdings auch schnell eine Antwort kommen.

Ein Beispiel aus einem Sanitärbetrieb: Statt Anschreiben fragt das Formular nur drei Dinge ab: Name und Kontakt, aktuelle Schule, und „Was hast du schon mal repariert oder gebaut?“. Die Antworten sind kurz, aber oft aufschlussreicher als jedes Anschreiben. Für die Daten gelten wie immer die Regeln aus Datenschutz im Bewerbungsverfahren.

Typische Prüfungsaufgaben zur Anzeige

In der schriftlichen Prüfung wird gern eine Anzeige vorgelegt, und du sollst Fehler finden oder Verbesserungen vorschlagen. Achte dann auf drei Dinge: Sind die wichtigsten Angaben wie Beruf, Beginn und Bewerbungsweg vorhanden? Ist die Anzeige AGG-konform? Ist sie für die Zielgruppe verständlich? Häufige Fehler in solchen Aufgaben sind Altersangaben, ein fehlendes (m/w/d), unklare Ansprechpartner und überzogene Anforderungen. Begründe bei jedem Fehler kurz, warum er problematisch ist und wie es besser ginge. Das bringt mehr Punkte als eine bloße Aufzählung.

Auch die Frage nach geeigneten Veröffentlichungswegen kommt vor. Hier gehört die Agentur für Arbeit in jede Antwort, ergänzt um Kammerbörsen, Karriereseite und Schulkontakte.

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Häufige Fragen

Wörtlich vorgeschrieben ist der Zusatz nicht. Die Anzeige muss aber alle Geschlechter ansprechen, und (m/w/d) ist dafür der einfachste und üblichste Weg.

Ja, wenn es sachliche Gründe gibt. Das Berufsbildungsgesetz setzt für eine Ausbildung aber keinen bestimmten Schulabschluss voraus, deshalb lohnt die Frage, ob die Hürde wirklich nötig ist.

Bis der Platz wirklich besetzt ist. Viele Jugendliche suchen früh, andere erst kurz vor dem Sommer, etwa nach einer Absage. Eine Anzeige, die zu früh verschwindet, verschenkt diese Bewerber.

Oliver Misch
Oliver Misch
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