Azubis bekommen ständig Rückmeldung, ob man will oder nicht. Ein Stirnrunzeln, ein „Na ja“, ein wortloses Nacharbeiten des Werkstücks: Auch das ist Feedback, nur ein schlechtes, weil der Azubi raten muss, was gemeint ist. Gutes Feedback macht dagegen klar, was gelungen ist, was nicht und was als Nächstes kommt.
Feedback ist eines der wirksamsten Werkzeuge in der Ausbildung und gleichzeitig eines der am häufigsten falsch eingesetzten: zu spät, zu allgemein, zu persönlich oder gar nicht. Dabei sind die Grundregeln einfach. Schwer ist nur, sie im hektischen Alltag tatsächlich einzuhalten.
Warum Feedback mehr ist als Lob und Tadel
Feedback heißt Rückmeldung darüber, wie ein Verhalten oder ein Ergebnis bei anderen ankommt. In der Ausbildung hat es zwei Aufgaben: Es zeigt dem Azubi, wo er steht, und es gibt ihm eine Richtung für die nächsten Schritte. Ohne Rückmeldung lernt man langsamer, weil man Fehler wiederholt und gute Ansätze nicht bewusst beibehält. Gerade am Anfang der Ausbildung brauchen Azubis mehr davon, weil sie noch kaum einschätzen können, was im Betrieb als gute Arbeit gilt.
Ein Satz wie „Das war schlecht“ bewertet, hilft aber nicht weiter. „Beim Gespräch mit dem Kunden hast du ihn zweimal unterbrochen. Lass ihn beim nächsten Mal ausreden und fass dann zusammen, was er gesagt hat“ beschreibt, was passiert ist, und zeigt einen Weg. Der Unterschied zu einer förmlichen Beurteilung: Feedback findet laufend statt, meist mündlich und ohne Formular. Die regelmäßige Gesamtbewertung ist Thema des Beurteilungsgesprächs.
Die wichtigsten Feedbackregeln
Die bekannten Feedbackregeln lassen sich auf wenige Punkte bringen:
- konkret: ein bestimmtes Verhalten in einer bestimmten Situation, keine Pauschalurteile
- beschreibend statt bewertend: erst sagen, was du beobachtet hast, dann, wie es auf dich wirkt
- zeitnah: möglichst bald nach der Situation, solange sie beiden noch präsent ist
- auf Veränderbares bezogen: Verhalten, nicht Persönlichkeit oder Dinge, die der Azubi nicht ändern kann
- angemessen dosiert: lieber zwei Punkte, die ankommen, als zehn, die überfordern
- unter vier Augen, wenn es um Kritik geht
Zeitnah heißt nicht immer sofort. Wer gerade einen Fehler gemacht hat und vor Kollegen dasteht, hört oft nicht zu, sondern verteidigt sich. In einer Großküche während des Mittagsservice ist eine knappe Korrektur nötig, das ausführliche Gespräch kommt besser eine Stunde später, wenn Ruhe ist. Bei Sicherheitsverstößen gilt natürlich: sofort eingreifen, erklären kannst du danach.
Ein weiterer Punkt wird oft vergessen: Feedback ist ein Angebot. Der Empfänger entscheidet, was er daraus macht. Das heißt nicht, dass ein Azubi Kritik an seiner Arbeit einfach ignorieren darf. Es heißt aber, dass du nicht erwarten kannst, dass er jede Rückmeldung sofort annimmt und umsetzt. Manches braucht ein paar Tage, bis es ankommt.
Merke: Beobachtung, Wirkung, Wunsch: Mit diesem Dreischritt wird aus einer Bewertung eine Rückmeldung, mit der der Azubi arbeiten kann.
Ich-Botschaften statt Du-Botschaften
Ich-Botschaften beschreiben die eigene Wahrnehmung, statt den anderen zu bewerten. „Du bist unzuverlässig“ ist eine Du-Botschaft. Sie greift die Person an und lädt zum Widerspruch ein. „Ich habe die Unterlagen gestern um 14 Uhr erwartet und sie erst heute bekommen. Dadurch konnte ich das Angebot nicht rechtzeitig verschicken“ ist eine Ich-Botschaft. Sie beschreibt eine Beobachtung und ihre Wirkung und lässt Raum für eine Erklärung.
Ein bewährter Aufbau hat drei Teile: Was habe ich beobachtet? Welche Wirkung hatte das? Was wünsche ich mir? Wichtig ist, dass die Ich-Botschaft ehrlich gemeint ist. „Ich finde, dass du faul bist“ ist formal eine Ich-Botschaft, inhaltlich aber ein Vorwurf. Warum dieselbe Nachricht so unterschiedlich ankommen kann, erklärt das Vier-Seiten-Modell auf der Seite Kommunikation in der Ausbildung.
Lob und Kritik
Viele Ausbilder geben deutlich mehr Kritik als Lob, nicht aus Absicht, sondern weil Fehler auffallen und gute Arbeit als selbstverständlich gilt. Für Azubis ist das entmutigend. Lob ist keine Belohnung für Ausnahmeleistungen, sondern eine Information: Das hast du richtig gemacht, mach es weiter so. Es sollte genauso konkret sein wie Kritik. „Die Ablage ist so sortiert, dass ich jede Rechnung sofort finde“ wirkt stärker als „Super“. Dass Anerkennung zu den Dingen gehört, die Menschen antreiben, zeigt auch die Seite zur Motivation von Auszubildenden.
Kritik sollte sachlich sein und einen Ausweg zeigen. Oft empfohlen wird die Sandwich-Methode: erst etwas Positives, dann die Kritik, dann wieder etwas Positives. Sie kann helfen, ein Gespräch freundlich zu rahmen. Sie hat aber eine Schwäche: Wenn sie zur Gewohnheit wird, lernen Azubis, dass nach jedem Lob ein „Aber“ kommt, und nehmen das Lob nicht mehr ernst. Ehrlicher ist es oft, Lob und Kritik getrennt zu geben, jeweils dann, wenn es einen Anlass gibt.
Feedback annehmen
Feedback hat zwei Seiten, und auch das Annehmen will gelernt sein, von Azubis wie von Ausbildern. Die wichtigsten Regeln für den Empfänger: zuhören und ausreden lassen, sich nicht sofort rechtfertigen, nachfragen, wenn etwas unklar ist, und sich bedanken, auch wenn man nicht mit allem einverstanden ist. Was man aus der Rückmeldung macht, entscheidet man danach in Ruhe.
Azubis haben das oft nie geübt. Viele reagieren auf Kritik mit Rückzug oder Trotz. Hier hilft es, das Annehmen ausdrücklich zum Thema zu machen, etwa nach einem Rollenspiel, bei dem die Beobachter Rückmeldung geben und der Spieler erst zuhört, bevor er antwortet. Und es hilft, wenn der Ausbilder vorlebt, wie man selbst mit Kritik umgeht, etwa wenn ein Azubi eine unklare Arbeitsanweisung bemängelt.
Feedback von Azubis einholen
Gute Ausbilder fragen auch nach Rückmeldung zu ihrer eigenen Arbeit. Wie verständlich war die Unterweisung? Fühlt sich der Azubi gut betreut? Was fehlt ihm? Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern verbessert die Ausbildung direkt. Azubis sagen allerdings selten von sich aus, was sie stört, schon gar nicht ihrem Ausbilder. Deshalb muss man es ihnen leicht machen.
Möglichkeiten sind eine kurze offene Frage am Ende einer Unterweisung („Was war für dich unklar?“), ein fester Termin für Rückmeldung in beide Richtungen oder ein anonymer Fragebogen, wenn mehrere Azubis im Betrieb sind. In einem Handwerksbetrieb mit zwei Azubis reicht oft ein ehrliches Gespräch nach jedem Quartal. Entscheidend ist, dass auf Rückmeldung etwas folgt. Wer fragt und dann nichts ändert, bekommt beim nächsten Mal keine ehrlichen Antworten mehr. Wie solche Rückmeldungen in die Verbesserung der Ausbildung einfließen, beschreibt die Seite Ausbildungsqualität auswerten.
Feedback in Prüfung und Fachgespräch
In der schriftlichen Prüfung werden Feedbackregeln häufig in Situationsaufgaben abgefragt: Mehrere Formulierungen stehen zur Auswahl, und du sollst die erkennen, die konkret, beschreibend und auf Verhalten bezogen ist. Auch der Unterschied zwischen Ich- und Du-Botschaften kommt regelmäßig vor.
In der praktischen Prüfung gehört eine Rückmeldung an den Azubi zum Abschluss der Unterweisung. Hier zeigst du direkt, ob du die Regeln beherrschst. Ein kurzes, konkretes Lob und gegebenenfalls ein Hinweis, worauf der Azubi beim nächsten Mal achten soll, reichen. Im Fachgespräch bist du dann selbst der Empfänger: Wenn die Prüfer kritisch nachfragen, hör zu, frag gegebenenfalls nach und antworte sachlich, statt dich zu verteidigen.
Häufige Fragen
Laufend, immer wenn es einen Anlass gibt, und zusätzlich zu festen Terminen. Kurze Rückmeldungen im Alltag wirken stärker als ein großes Gespräch alle paar Monate.
Ja, Lob vor dem Team kann motivieren, wenn es ehrlich ist und dem Azubi nicht peinlich ist. Kritik dagegen gehört grundsätzlich in ein Gespräch unter vier Augen.
Bleib ruhig, unterbrich das Gespräch notfalls und setz es später fort. Frag nach, was ihn trifft: Oft liegt die Ursache nicht in der Kritik selbst, sondern in der Art, wie sie angekommen ist.