„Hast du das verstanden?“ ist wahrscheinlich die häufigste und zugleich nutzloseste Frage in der Ausbildung. Fast jeder Azubi antwortet mit Ja, sei es aus Höflichkeit, aus Unsicherheit oder weil er selbst glaubt, es verstanden zu haben. Ob das stimmt, zeigt sich erst, wenn er die Aufgabe allein lösen soll.
Lernerfolgskontrollen sind die geplante Antwort auf dieses Problem. Sie prüfen, ob ein Lernziel erreicht wurde, und geben beiden Seiten eine Rückmeldung. Das muss nicht nach Klassenarbeit aussehen. Oft reicht ein gut gewählter Arbeitsauftrag oder eine gezielte Frage im richtigen Moment.
Hier erfährst du, welche Formen es gibt, wann welche sinnvoll ist und wie du Ergebnisse fair bewertest und zurückmeldest.
Wozu Lernerfolgskontrollen dienen
Eine Lernerfolgskontrolle hat mehrere Aufgaben. Für den Azubi ist sie eine Standortbestimmung: Was kann ich schon, wo hakt es noch? Für dich als Ausbilder zeigt sie, ob deine Vermittlung angekommen ist und wie es weitergehen soll. Wenn in einem Elektrobetrieb drei Azubis hintereinander bei derselben Messung Fehler machen, liegt das Problem vielleicht nicht bei ihnen, sondern bei der Unterweisung. Kontrollen sind also auch eine Rückmeldung an dich selbst.
Daneben motivieren sie. Sichtbare Erfolge spornen an, und wer weiß, dass Inhalte überprüft werden, lernt meist etwas konzentrierter. Schließlich bereiten regelmäßige Kontrollen auf die Prüfungssituation vor. Wer schon öfter eine Arbeitsaufgabe unter Beobachtung erledigt hat, geht gelassener in Zwischen- und Abschlussprüfung.
Voraussetzung: klare Lernziele
Kontrollieren kann man nur, was vorher klar festgelegt wurde. Wenn das Lernziel lautet „Der Azubi kennt die Kasse“, ist offen, was genau geprüft werden soll. Lautet es dagegen „Der Azubi kann einen Kassenabschluss am Ende der Schicht ohne Hilfe durchführen und Differenzen dokumentieren“, liegt die Kontrolle schon fast auf der Hand. Deshalb hängen Lernerfolgskontrollen eng mit gut formulierten Lernzielen zusammen. Das Verb im Lernziel verrät, welche Form passt: Wer etwas „nennen“ soll, kann mündlich oder schriftlich gefragt werden. Wer etwas „durchführen“ soll, muss es tun.
Auch der Lernzielbereich spielt eine Rolle. Kognitive Ziele lassen sich gut mit Fragen prüfen, psychomotorische mit Arbeitsproben und affektive Ziele, etwa ein freundlicher Umgang mit Kunden, am ehesten durch Beobachtung über einen längeren Zeitraum.
Merke: Die Form der Kontrolle folgt dem Lernziel. Was der Azubi tun können soll, muss er in der Kontrolle auch tun.
Die wichtigsten Formen im Überblick
Welche Form du wählst, hängt vom Lernziel, vom Beruf und von der Situation ab:
- Beobachtung: Du siehst zu, wie der Azubi eine Aufgabe im Arbeitsalltag erledigt, etwa ein Beratungsgespräch im Fachhandel.
- Arbeitsprobe: Der Azubi fertigt ein Werkstück oder erledigt einen abgegrenzten Auftrag, zum Beispiel eine Rohrverbindung im Anlagenbau oder eine Mahnung im Büro.
- Schriftlicher Test: Fragen oder kleine Aufgaben, gut geeignet für Fachwissen, Berechnungen und Vorschriften.
- Fachgespräch: Der Azubi erklärt, warum er etwas so gemacht hat. Hier zeigt sich, ob er die Zusammenhänge verstanden hat.
- Projektarbeit: Eine größere Aufgabe über längere Zeit, bewertet werden Ergebnis und Vorgehen. Mehr dazu bei der Projektmethode.
Oft lohnt sich eine Kombination. Ein Fachinformatiker-Azubi, der einen Rechner aufsetzt, zeigt bei der Arbeitsprobe, ob er es kann. Im anschließenden Gespräch zeigt er, ob er weiß, was er tut und warum.
Formativ und summativ
Formative Kontrollen finden während des Lernprozesses statt. Sie sollen steuern, nicht benoten. Eine kurze Frage nach der Hälfte einer Unterweisung, ein Zwischenstand bei einer Projektarbeit oder ein gemeinsamer Blick auf die ersten zehn Buchungssätze sind formativ. Ihr Ziel ist, Fehler früh zu entdecken, solange man noch gegensteuern kann.
Summative Kontrollen stehen am Ende eines Lernabschnitts und ziehen Bilanz. Die Abschlussprüfung ist das bekannteste Beispiel, im Betrieb kann es ein Test am Ende eines Abteilungsdurchlaufs sein. In der Ausbildung kommen formative Kontrollen meist zu kurz, obwohl sie für das Lernen mehr bewirken. Wer nur am Ende prüft, erfährt zu spät, dass etwas schiefgelaufen ist, und hat dann kaum noch Zeit, es aufzufangen.
Fair bewerten
Damit eine Kontrolle fair ist, sollte sie drei Anforderungen möglichst gut erfüllen, die man als Gütekriterien kennt. Objektivität heißt, dass das Ergebnis nicht davon abhängt, wer bewertet. Zuverlässigkeit (Reliabilität) heißt, dass die Kontrolle unter gleichen Bedingungen zum gleichen Ergebnis kommt. Gültigkeit (Validität) heißt, dass wirklich das gemessen wird, was gemessen werden soll. Ein schriftlicher Test über Hygieneregeln sagt zum Beispiel wenig darüber aus, ob eine angehende Köchin sie in der vollen Küche auch einhält.
Im Alltag helfen einfache Mittel: Bewertungskriterien vorher festlegen und dem Azubi nennen, bei Arbeitsproben eine kurze Checkliste nutzen, gleiche Bedingungen für alle schaffen. Und denk an die üblichen Beurteilungsfehler, die auch bei Kontrollen auftreten.
Rückmeldung geben
Eine Kontrolle ohne Rückmeldung ist verschenkt. Der Azubi sollte zeitnah erfahren, was gut war, was nicht und woran es lag. Am besten beginnst du mit der Selbsteinschätzung: „Wie lief es aus deiner Sicht?“ Viele Azubis erkennen ihre Fehler selbst, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt. Danach ergänzt du deine Sicht, konkret und auf die Sache bezogen. Am Ende steht eine Vereinbarung, was als Nächstes geübt wird. Hinweise zur Gesprächsführung findest du auf der Seite zu Feedback.
Achte darauf, Ergebnis und Person zu trennen. „Drei Lötstellen halten nicht“ ist eine Aussage über die Arbeit. „Du bist zu ungeduldig“ ist eine Aussage über den Menschen und hilft wenig weiter. Wenn das Lernziel nicht erreicht wurde, liegt der nächste Schritt außerdem bei dir: Musst du anders erklären, mehr Übungszeit einplanen oder den Inhalt in kleinere Schritte teilen? Eine Kontrolle, nach der einfach weitergemacht wird wie vorher, hat ihren Zweck verfehlt.
Kontrollen ohne großen Aufwand
Viele Ausbilder denken bei Lernerfolgskontrollen an Tests, für die man sich extra Zeit nehmen muss. Dabei lassen sich die meisten Kontrollen in den normalen Arbeitstag einbauen. Ein Azubi in der Logistik erklärt beim nächsten Wareneingang, welche Punkte er prüft, bevor er quittiert. Eine angehende Steuerfachangestellte bearbeitet einen echten Beleg und begründet die Buchung. Ein Bäckerazubi stellt den Teig für eine Sorte allein her, und das Ergebnis zeigt sich am nächsten Morgen in der Auslage.
Solche Kontrollen sind nah an der Praxis und deshalb besonders aussagekräftig. Wichtig ist nur, dass du sie bewusst als Kontrolle nutzt: vorher klar sagen, worauf du achtest, hinterher kurz besprechen. Auch das Berichtsheft eignet sich, wenn du nicht nur unterschreibst, sondern ab und zu nachfragst, was hinter einem Eintrag steckt.
Lernerfolgskontrolle in der praktischen Prüfung
In der praktischen AEVO-Prüfung gehört die Lernerfolgskontrolle fest zur Ausbildungssituation. Prüfungsausschüsse achten darauf, ob du am Ende deiner Unterweisung überprüfst, ob das Lernziel erreicht wurde, und zwar passend zum Ziel. Wer ein psychomotorisches Lernziel formuliert und dann nur fragt „Alles klar?“, verschenkt Punkte. Besser: Der Azubi führt den Arbeitsschritt selbst aus und erklärt dabei, worauf er achtet. Im Fachgespräch wird oft nachgefragt, warum du diese Form gewählt hast und was du tun würdest, wenn der Azubi das Ziel nicht erreicht. Mehr zum Ablauf steht im Ratgeber zur praktischen Prüfung.
Im schriftlichen Teil tauchen Gütekriterien, formative und summative Kontrolle sowie die Zuordnung von Kontrollformen zu Lernzielen regelmäßig auf.
Häufige Fragen
Im Alltag nicht immer förmlich, aber eine kurze Überprüfung gehört eigentlich zu jeder Unterweisung. In der AEVO-Prüfung wird sie erwartet.
Bei formativen Kontrollen eher nicht, weil sie vom eigentlichen Ziel, dem Weiterlernen, ablenken. Bei summativen Kontrollen können Punkte oder Stufen helfen, solange die Kriterien vorher klar sind.
Erst die Situation entschärfen: kleinere Schritte, kein Publikum, mehr Zwischenrückmeldungen. Hält die Blockade an, lohnt ein ruhiges Gespräch über die Ursachen.