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Handlungsfeld 3 · Ausbildung durchführen

Konflikte in der Ausbildung erkennen und lösen

Wo Menschen zusammen arbeiten und lernen, gibt es Reibung. Entscheidend ist, ob Konflikte früh erkannt und geklärt werden oder sich festfressen.

5 Min. Lesezeitvon Oliver MischStand November 2026

Konflikte gehören zur Ausbildung wie Werkzeug und Berichtsheft. Junge Menschen kommen aus der Schule in eine Arbeitswelt mit anderen Regeln, treffen auf Kollegen mit eigenen Gewohnheiten und auf Ausbilder, die viel erwarten. Dass es dabei kracht, ist normal und nicht automatisch ein Zeichen schlechter Ausbildung.

Problematisch wird es, wenn Konflikte nicht angesprochen werden. Dann arbeiten sie im Hintergrund weiter, verschlechtern die Stimmung und enden im schlimmsten Fall mit einer Vertragslösung. Als Ausbilder musst du nicht jeden Streit schlichten. Du solltest aber erkennen, was gerade passiert, und wissen, wann du eingreifst.

Was einen Konflikt ausmacht

Nicht jede Meinungsverschiedenheit ist ein Konflikt. Von einem Konflikt spricht man, wenn unterschiedliche Interessen, Ziele oder Sichtweisen aufeinandertreffen und mindestens eine Seite sich dadurch beeinträchtigt fühlt. Das Gefühl ist dabei entscheidend: Ein Azubi, der sich ständig zum Aufräumen eingeteilt fühlt, hat einen Konflikt, auch wenn der Ausbilder das als ganz normale Arbeitsverteilung sieht.

Konflikte haben eine sachliche und eine emotionale Seite. Häufig wird über die Sache gestritten, etwa über die Urlaubsplanung, eigentlich geht es aber um Anerkennung, Gerechtigkeit oder Respekt. Wer nur die Sachfrage löst, wundert sich, warum der Ärger trotzdem bleibt.

Typische Konfliktfelder in der Ausbildung

Konflikte zwischen Ausbilder und Azubi drehen sich oft um Erwartungen. Der Ausbilder erwartet Pünktlichkeit, Eigeninitiative und Interesse, der Azubi erwartet Erklärungen, abwechslungsreiche Aufgaben und faire Behandlung. Wenn ein angehender Anlagenmechaniker wochenlang nur Material schleppt, entsteht Frust, der sich irgendwann im Ton oder in Fehlzeiten zeigt.

Unter Azubis entstehen Konflikte durch Konkurrenz, unterschiedliche Leistung oder Gruppendynamik. Im Einzelhandel kann schon die Frage, wer an der Kasse und wer im Lager steht, Streit auslösen. Konflikte im Team betreffen das Verhältnis zu den Fachkräften: Ein Azubi in der Gastronomie wird vom Koch angeschrien, eine angehende Bürokauffrau bekommt von der Kollegin nur Kopieraufgaben. Schließlich gibt es Konflikte mit dem Elternhaus, etwa wenn Eltern sich bei minderjährigen Azubis über Arbeitszeiten beschweren oder den Berufswunsch ihres Kindes nicht unterstützen.

Merke: Je früher ein Konflikt angesprochen wird, desto eher lösen ihn die Beteiligten selbst.

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Ursachen erkennen

Hinter Konflikten steckt selten nur eine Ursache. Hilfreich ist eine grobe Einteilung: Bei Zielkonflikten wollen beide Seiten Unterschiedliches erreichen, etwa schnelle Erledigung gegenüber gründlichem Lernen. Bei Beurteilungskonflikten sind sich alle über das Ziel einig, aber nicht über den Weg. Verteilungskonflikte drehen sich um knappe Dinge wie Urlaubstage, beliebte Aufgaben oder Aufmerksamkeit. Beziehungskonflikte entstehen, wenn die Chemie nicht stimmt oder sich jemand herabgesetzt fühlt. Rollenkonflikte treten auf, wenn jemand widersprüchliche Erwartungen erfüllen soll: Der Ausbilder ist Lernbegleiter und gleichzeitig derjenige, der beurteilt.

Oft spielen auch Dinge außerhalb des Betriebs eine Rolle: Ärger zu Hause, Geldsorgen, gesundheitliche Probleme. Die musst du nicht lösen, aber du solltest sie als mögliche Ursache in Betracht ziehen. Gerade bei jungen Menschen zeigt sich privater Druck oft als Gereiztheit bei der Arbeit.

Konfliktstufen als Denkmodell

Ein bekanntes Modell zur Eskalation von Konflikten stammt von Friedrich Glasl. Er beschreibt neun Stufen, die sich in drei Ebenen gliedern. Auf den ersten Stufen verhärten sich die Standpunkte, es wird diskutiert und gestritten, aber beide Seiten können noch gemeinsam eine Lösung finden. In der mittleren Ebene geht es zunehmend darum, recht zu behalten: Es bilden sich Koalitionen, der andere wird bloßgestellt, Drohungen fallen. Auf den letzten Stufen nehmen beide Seiten sogar eigenen Schaden in Kauf, solange der andere mehr verliert.

Für die Ausbildung ist das Modell vor allem als Orientierung nützlich: Je früher ein Konflikt angesprochen wird, desto eher lässt er sich von den Beteiligten selbst lösen. Ab der mittleren Ebene braucht es meist eine dritte Person, die moderiert. Das Modell ist eine Vereinfachung. Echte Konflikte laufen nicht immer Stufe für Stufe ab, aber das Grundprinzip trifft gut zu.

Frühwarnzeichen

Viele Konflikte kündigen sich an, lange bevor es laut wird. Achte auf Veränderungen: Ein sonst gesprächiger Azubi wird still, Fehlzeiten häufen sich, auffällig oft an Montagen oder nach Berufsschultagen. Der Ton wird knapper, Aufgaben werden nur noch nach Vorschrift erledigt. Im Team fällt auf, dass bestimmte Personen nicht mehr zusammen Pause machen oder dass über jemanden geredet wird, wenn er nicht dabei ist. Auch das Berichtsheft kann ein Hinweis sein, wenn es plötzlich lückenhaft wird.

Solche Zeichen beweisen noch keinen Konflikt. Sie sind aber ein guter Anlass, kurz und ohne Vorwurf nachzufragen: „Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit ruhiger bist. Ist alles in Ordnung?“ Gerade in kleinen Betrieben, in denen alle eng zusammenarbeiten, fallen solche Signale oft erst spät auf, weil man sich an den Zustand gewöhnt hat.

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Vorbeugen ist einfacher als lösen

Viele Konflikte lassen sich vermeiden, wenn Erwartungen von Anfang an klar sind. Was gilt bei Pünktlichkeit, Handynutzung, Krankmeldung und Pausen? Wer darf Aufgaben verteilen? Solche Regeln sollten nicht erst nach dem ersten Streit entstehen, sondern beim Ausbildungsstart besprochen werden. Ein Elektrobetrieb, der Azubis in der ersten Woche erklärt, wie Baustellentage ablaufen und wer dort das Sagen hat, erspart sich viele Missverständnisse.

Ebenso wichtig sind regelmäßige Gespräche, in denen auch kleine Ärgernisse Platz haben. Wer nur redet, wenn es brennt, hört von Problemen meist zu spät. Und schließlich hilft Fairness bei der Verteilung: Wenn unbeliebte Aufgaben reihum gehen und Ausnahmen begründet werden, entsteht weniger Gefühl von Ungerechtigkeit. Ganz verhindern lassen sich Konflikte trotzdem nicht, und das ist auch nicht das Ziel.

Lösungswege und die Rolle des Ausbilders

Welcher Weg passt, hängt von Art und Stufe des Konflikts ab. Kleinere Reibereien zwischen Azubis lösen sich oft, wenn die Beteiligten selbst miteinander reden, vielleicht mit einem kleinen Anstoß. Bei Konflikten, in die du selbst verwickelt bist, ist ein offenes Gespräch unter vier Augen der wichtigste Schritt. Wie du das vorbereitest und führst, steht ausführlich auf der Seite zum Konfliktgespräch. Klare Kommunikation verhindert außerdem viele Missverständnisse, bevor sie zum Konflikt werden.

Zwischen Azubi und Fachkraft bist du oft in der Rolle des Vermittlers. Dann hörst du beide Seiten an, bevor du urteilst, und achtest darauf, dass der Azubi sich nicht allein gelassen fühlt. Kommt ihr im Betrieb nicht weiter, kannst du den Ausbildungsberater der Kammer einbeziehen. Für Streitigkeiten aus dem Ausbildungsverhältnis gibt es bei vielen Kammern außerdem einen Schlichtungsausschuss.

Was die AEVO-Prüfung dazu wissen will

Konflikte sind ein beliebtes Thema für Fallaufgaben. Du bekommst eine Situation geschildert, etwa einen Streit zwischen zwei Azubis über die Verteilung von Aufgaben, und sollst die Konfliktart bestimmen, Ursachen benennen und ein Vorgehen vorschlagen. Punkte gibt es meist für ein strukturiertes Vorgehen: erst die Situation klären, dann das Gespräch, dann Vereinbarung und Nachverfolgung. Lösungen, bei denen der Ausbilder einfach eine Anweisung gibt oder sofort mit Abmahnung droht, sind selten die beste Antwort.

Achte in solchen Aufgaben auch darauf, wer Konfliktpartei ist. Ein Konflikt zwischen einem Azubi und einer Fachkraft verlangt vom Ausbilder eine andere Rolle als ein Konflikt, in dem er selbst steckt. Wer das in der Antwort unterscheidet, zeigt, dass er die eigene Position reflektiert.

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Häufige Fragen

Nein. Kleinere Meinungsverschiedenheiten können Azubis oft selbst klären, und das ist sogar eine gute Übung. Eingreifen solltest du, wenn jemand ausgegrenzt wird, die Arbeit leidet oder der Konflikt eskaliert.

Sprich den Azubi direkt und ohne Publikum an und schildere deine Sicht ohne Vorwurf. Hilft das nicht, kann eine neutrale Person moderieren, etwa ein anderer Ausbilder oder der Betriebsrat.

Nein. Ein offen geklärter Konflikt kann Abläufe verbessern und das Vertrauen stärken. Schädlich sind vor allem Konflikte, über die niemand spricht.

Oliver Misch
Oliver Misch
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