Start › AEVO lernen › Handlungsfeld 3 › Digitales Lernen und Blended Learning
Handlungsfeld 3 · Ausbildung durchführen

Digitales Lernen und Blended Learning in der Ausbildung

Lernplattform, Erklärvideo, virtueller Klassenraum: Was digitale Medien in der Ausbildung wirklich leisten, wie Blended Learning funktioniert und wo die Grenzen liegen.

5 Min. Lesezeitvon Oliver MischStand November 2026

Kaum ein Ausbildungsbetrieb kommt noch ohne digitale Lernangebote aus. Mal ist es ein Lernmodul zur Arbeitssicherheit, mal ein Video, das zeigt, wie eine Maschine gerüstet wird, mal ein Online-Termin, bei dem Azubis aus mehreren Standorten zusammenkommen. Der neue AEVO-Rahmenplan nimmt das auf und nennt digitale Medien sowie virtuelle und hybride Lernumgebungen ausdrücklich als Schwerpunkt.

Gleichzeitig gibt es viel Enttäuschung. Teure Lernplattformen bleiben leer, Videos werden nicht angeschaut, und Azubis klicken sich durch Pflichtmodule, ohne etwas mitzunehmen. Der Grund ist fast immer derselbe: Die Technik wurde eingeführt, aber nicht in die Ausbildung eingebaut. Diese Seite zeigt, wie das besser gelingt.

Die Begriffe sortiert

Unter E-Learning versteht man ganz allgemein Lernen mit elektronischen Medien. Das reicht vom einzelnen Lernvideo bis zum kompletten Onlinekurs. Eine virtuelle Lernumgebung ist ein digitaler Raum, in dem gelernt wird, etwa ein Videokonferenzraum oder eine Lernplattform mit Aufgaben, Material und Austausch. Hybrid nennt man Formate, bei denen ein Teil der Gruppe vor Ort ist und ein anderer zur selben Zeit zugeschaltet wird.

Blended Learning (wörtlich: gemischtes Lernen) beschreibt die geplante Verbindung von Präsenzphasen und digitalen Phasen zu einem Gesamtkonzept. Der Unterschied zum hybriden Format: Beim Blended Learning wechseln die Phasen nacheinander ab, beim hybriden Format laufen beide gleichzeitig. Vom mobilen Ausbilden ist das noch einmal zu trennen. Dort geht es darum, dass Azubis unter bestimmten Bedingungen auch außerhalb der Betriebsstätte ausgebildet werden dürfen. Die rechtlichen Regeln dazu stehen auf der Seite Mobiles und digitales Ausbilden.

Lernplattformen und Lernvideos im Betrieb

Eine Lernplattform ist im Kern ein Ort, an dem Material, Aufgaben und Rückmeldungen gebündelt werden. Größere Unternehmen nutzen eigene Systeme, kleinere Betriebe kommen oft mit einfachen Lösungen aus, etwa einem gemeinsamen Ordner, einem Kanal im betrieblichen Messenger oder Angeboten, die Kammern, Verbände oder Berufsschulen bereitstellen. Entscheidend ist nicht die Technik, sondern dass jemand die Inhalte pflegt und die Azubis wissen, was sie dort sollen.

Lernvideos sind besonders nützlich für Abläufe, die man sehen muss: das Wechseln eines Werkzeugs an einer CNC-Maschine, das Anlegen eines Druckverbands oder das Buchen eines Wareneingangs im Warenwirtschaftssystem. Der große Vorteil: Azubis können an jeder Stelle anhalten und wiederholen. Videos müssen nicht professionell produziert sein. Eine ruhige Handyaufnahme, in der ein erfahrener Kollege den Ablauf zeigt und erklärt, hilft oft mehr als ein Hochglanzfilm. Manche Betriebe lassen Azubis selbst Erklärvideos drehen. Das ist zugleich eine gute Lernkontrolle, denn wer etwas erklären will, muss es verstanden haben.

Merke: Digitale Phasen eignen sich für Wissen im eigenen Tempo, Präsenz für Üben, Anwenden und Rückmeldung. Blended Learning heißt, beides als ein Konzept zu planen.

Anzeige

Blended Learning: Präsenz und digital verbinden

Ein gutes Blended-Learning-Konzept fängt nicht bei der Technik an, sondern bei der Frage, was wo am besten gelernt wird. Als Faustregel gilt: Wissen, das jeder in seinem Tempo aufnehmen kann, eignet sich für digitale Phasen. Üben, Anwenden, Diskutieren und alles, was Rückmeldung von Menschen braucht, gehört eher in die Präsenz.

Ein Beispiel aus einer Bank: Die Azubis erarbeiten sich die Grundlagen zu Kontoarten über ein Lernmodul mit kurzem Quiz. In der anschließenden Präsenzrunde üben sie im Rollenspiel, wie man einen Kunden zu einem Girokonto berät. Danach gibt es online eine Fallaufgabe, die jeder allein löst und abgibt. Die gemeinsame Zeit wird so für das genutzt, was digital schlecht geht.

Damit das funktioniert, müssen die Phasen aufeinander aufbauen. Wenn die Präsenzrunde einfach den Inhalt des Lernmoduls wiederholt, fühlen sich diejenigen veralbert, die das Modul bearbeitet haben, und die anderen lernen, dass man es nicht bearbeiten muss.

Was digitale Medien leisten und was nicht

Digitale Medien können einiges gut: Sie machen Inhalte jederzeit verfügbar, erlauben individuelles Tempo, verbinden Azubis an verschiedenen Standorten und machen Abläufe sichtbar, die man sonst schwer zeigen kann, etwa Vorgänge im Inneren einer Maschine. Für Azubis, die eine Erklärung mehrmals brauchen, ist es entlastend, ein Video ein drittes Mal anzuschauen, ohne nachfragen zu müssen.

Was sie nicht können: echte Handgriffe ersetzen, Beziehung aufbauen und das Gefühl vermitteln, dass sich jemand für den eigenen Lernfortschritt interessiert. Ein Tischler lernt das Hobeln nicht am Bildschirm, und eine Köchin lernt das Abschmecken nicht aus einem Video. Dazu kommt, dass Lernen am Rechner viel Disziplin verlangt. Wer noch keine Lernstrategien hat, scheitert hier schneller als in der Präsenz. Digitale Phasen funktionieren deshalb besser, wenn Azubis gelernt haben, ihr Lernen selbst zu steuern. Welches Medium für welchen Zweck passt, vertieft die Seite Ausbildungsmedien auswählen.

Medienkompetenz bei Azubis und Ausbildern

Viele gehen davon aus, dass junge Leute sich mit digitalen Medien ohnehin auskennen. Das stimmt nur teilweise. Wer flüssig mit dem Smartphone umgeht, kann nicht automatisch eine Tabellenkalkulation sinnvoll aufbauen, eine seriöse Quelle von einer zweifelhaften unterscheiden oder eine sachliche E-Mail an einen Kunden schreiben. Medienkompetenz in der Ausbildung heißt: digitale Werkzeuge zielgerichtet für die Arbeit nutzen, Informationen kritisch prüfen, sicher mit Daten umgehen und sich angemessen ausdrücken.

Die Standardberufsbildposition „Digitalisierte Arbeitswelt“ macht diese Fähigkeiten in neuen und modernisierten Berufen zum festen Ausbildungsinhalt (mehr dazu bei den Standardberufsbildpositionen). Und sie betrifft auch Ausbilder. Wer Lernvideos einsetzen oder eine Onlinerunde moderieren will, muss die Werkzeuge selbst sicher beherrschen. Niemand muss Experte sein, aber ein Probelauf vor dem ersten Einsatz erspart viel Frust.

Anzeige

Datenschutz, Ausstattung und Mitbestimmung

Sobald Lernplattformen Daten über Azubis speichern, etwa wer welches Modul wann bearbeitet hat und wie die Ergebnisse waren, gilt der Datenschutz. Es sollten nur die Daten erhoben werden, die für die Ausbildung tatsächlich nötig sind, und es muss klar sein, wer sie sehen darf. Private Chatgruppen auf den Privathandys der Azubis sind für dienstliche Lerninhalte eine schlechte Lösung, auch wenn sie bequem sind.

Gibt es einen Betriebsrat, hat er bei technischen Systemen, mit denen sich Verhalten oder Leistung überwachen lassen, mitzureden, und eine Lernplattform mit Auswertungsfunktion ist ein solches System. Auch bei Fragen der Berufsbildung hat er Beteiligungsrechte (siehe Betriebsrat und JAV in der Ausbildung). Kläre das deshalb vor der Einführung mit Datenschutzbeauftragtem und Betriebsrat, nicht danach.

Zur Ausstattung gilt: Wenn Azubis digital lernen sollen, stellt der Betrieb die nötigen Geräte und Programme, auch beim mobilen Lernen. Das folgt schon daraus, dass Ausbildungsmittel kostenlos zur Verfügung zu stellen sind.

Wie die Prüfung das Thema aufgreift

Mit dem neuen Rahmenplan ist das Thema in der schriftlichen Prüfung präsenter geworden. Typische Aufgaben fragen nach dem Unterschied zwischen Blended Learning und hybriden Formaten, nach Vor- und Nachteilen digitaler Lernangebote oder danach, welche Inhalte sich für eine digitale Phase eignen und welche nicht. Auch Datenschutz und die Rolle des Betriebsrats können in einer Fallsituation auftauchen.

In der praktischen Prüfung kannst du digitale Medien einsetzen, etwa ein Tablet mit einem kurzen Video oder einer digitalen Checkliste. Das ist aber kein Muss, und es bringt nichts, wenn es nur Dekoration ist. Wichtiger ist, dass du im Fachgespräch begründen kannst, warum du ein Medium gewählt hast und wie du deine Unterweisung in ein digitales oder gemischtes Lernkonzept einbetten würdest.

Anzeige

Häufige Fragen

Was der Betrieb als Lernaufgabe anordnet, gehört zur Ausbildung und damit grundsätzlich in die Ausbildungszeit. Für Lernen außerhalb der Betriebsstätte gelten die Regeln zum mobilen Ausbilden, bei Detailfragen hilft die Kammer.

Nein. Beim Blended Learning wechseln Präsenz- und Onlinephasen nacheinander ab. Beim hybriden Format sind einige vor Ort und andere zur gleichen Zeit zugeschaltet.

Oft nicht. Für wenige Azubis reichen meist ein gut sortierter digitaler Ordner, vorhandene Angebote von Kammer oder Berufsschule und einige selbst gedrehte Videos, die jemand aktuell hält.

Oliver Misch
Oliver Misch
AEVO-Training · unabhängige Plattform zur Ausbildereignungsprüfung