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Handlungsfeld 1 · Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen

Die Standardberufsbildpositionen: vier Themen für jeden Beruf

Organisation, Arbeitsschutz, Nachhaltigkeit und digitale Arbeitswelt gehören seit 2021 in jeden neuen Beruf. Hier erfährst du, was die vier Positionen verlangen und wie du sie im Alltag vermittelst.

6 Min. Lesezeitvon Oliver MischStand November 2026

Manche Inhalte gehören zu jedem Beruf, egal ob jemand Bäckerin, Fachinformatiker oder Industriekauffrau wird. Wie ist mein Ausbildungsbetrieb aufgebaut? Wie arbeite ich sicher? Wie gehe ich sparsam mit Energie und Material um? Wie arbeite ich mit digitalen Werkzeugen und Daten? Diese Fragen sind in den Standardberufsbildpositionen gebündelt.

Seit 2021 werden in neue und modernisierte Ausbildungsordnungen vier einheitlich formulierte Standardberufsbildpositionen aufgenommen. Sie lösen ältere Standardpositionen ab, die es schon vorher gab, und setzen neue Akzente bei Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Für dich als Ausbilder heißt das: Diese Inhalte musst du vermitteln, und zwar nicht in einem Block, sondern über die ganze Ausbildung verteilt.

Die vier Positionen im Überblick

  1. Organisation des Ausbildungsbetriebes, Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht
  2. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
  3. Umweltschutz und Nachhaltigkeit
  4. Digitalisierte Arbeitswelt

Die Positionen stehen im Ausbildungsrahmenplan meist in einem eigenen Abschnitt und sind mit dem Hinweis versehen, dass sie während der gesamten Ausbildung integrativ vermittelt werden. Zeitrichtwerte in Wochen gibt es dafür in der Regel nicht. Die Lernziele sind als Mindestanforderungen formuliert. Wo ein Beruf mehr verlangt, etwa der Fachinformatiker beim Thema IT-Sicherheit, stehen die vertieften Inhalte zusätzlich in den berufsprofilgebenden Positionen.

In älteren Berufen, die seit 2021 nicht neu geordnet wurden, findest du noch die früheren Standardpositionen, etwa zum Aufbau und zur Organisation des Ausbildungsbetriebes oder zum Umweltschutz. Ein Blick in die Ausbildungsordnung deines Berufs zeigt, welche Fassung gilt.

Organisation, Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht

Hier geht es darum, dass Azubis ihren Betrieb und ihre Rolle darin verstehen. Dazu gehören der Aufbau des Betriebs, seine Abteilungen und Funktionen und die Beziehungen zu Wirtschaftsorganisationen und Gewerkschaften. Ebenso gehören dazu die Rechte und Pflichten aus dem Ausbildungsvertrag, der betriebliche Ausbildungsplan, die Möglichkeiten für Aufstieg und Weiterentwicklung im Beruf, Grundzüge des Arbeits- und Tarifrechts, die Mitbestimmung und die Bestandteile der Entgeltabrechnung.

Viel davon lässt sich in den ersten Wochen anlegen, etwa beim ersten Ausbildungstag mit einer Betriebserkundung. Damit ist es aber nicht erledigt. Eine Auszubildende im Großhandel versteht den Zusammenhang zwischen Einkauf, Lager und Vertrieb erst richtig, wenn sie alle drei Bereiche erlebt hat. Und die erste eigene Abrechnung gemeinsam mit dem Azubi durchzugehen, ist oft lehrreicher als jede Folie zum Thema. Gibt es einen Betriebsrat oder eine Jugend- und Auszubildendenvertretung, sollte der Azubi die Ansprechpartner kennen, bevor er sie braucht.

Merke: Die vier Standardberufsbildpositionen gelten seit 2021 für neue und modernisierte Berufe und werden während der gesamten Ausbildung integrativ vermittelt.

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Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Diese Position verlangt, dass Azubis Gefährdungen am Arbeitsplatz erkennen, Schutzmaßnahmen anwenden, sich bei Unfällen richtig verhalten und die Regeln zum Brandschutz kennen. Gemeint ist auch der Blick auf die eigene Gesundheit, etwa Belastungen durch Haltung, Lärm oder Stress.

In der Metallwerkstatt ist das sehr greifbar: Gehörschutz, Schutzbrille, sichere Maschinenbedienung. Im Büro wirkt das Thema unscheinbarer, ist aber genauso da. Eine Kauffrau für Büromanagement sollte lernen, ihren Bildschirmarbeitsplatz ergonomisch einzurichten und die Fluchtwege zu kennen. In der Küche eines Restaurants geht es um Schnittverletzungen, heiße Flüssigkeiten und rutschige Böden. Bei Azubis unter 18 kommen die Regeln des Jugendarbeitsschutzes hinzu, etwa Einschränkungen bei gefährlichen Arbeiten. Die vorgeschriebenen Unterweisungen sind ein Teil davon, aber nicht alles. Wie sie ablaufen, beschreibt die Seite Arbeitsschutz und Sicherheitsunterweisung.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Früher hieß diese Position nur Umweltschutz. Mit dem Begriff Nachhaltigkeit ist der Blick weiter geworden. Azubis sollen nicht nur Abfall trennen und Vorschriften einhalten, sondern Möglichkeiten erkennen, Energie und Material sparsam einzusetzen, und eigene Vorschläge für nachhaltiges Handeln im Arbeitsbereich entwickeln. Nachhaltigkeit umfasst dabei ökologische, ökonomische und soziale Gesichtspunkte. Der soziale Teil wird oft vergessen: Dazu gehören faire Zusammenarbeit im Team oder die Frage, unter welchen Bedingungen eingekaufte Waren hergestellt werden.

Gute Beispiele kommen oft direkt aus dem Alltag. In der Bäckerei kann ein Azubi untersuchen, wie viel Ware abends übrig bleibt und wie sich das verringern lässt. Im Kfz-Betrieb geht es um den Umgang mit Altöl und Reststoffen. Im Büro um Druckaufkommen, Fahrten zu Kunden oder die Beschaffung von Material. Ein kleiner Lernauftrag, bei dem der Azubi einen Verbesserungsvorschlag ausarbeitet und vorstellt, bringt mehr als ein Merkblatt. Und wenn der Vorschlag tatsächlich umgesetzt wird, lernt der Azubi nebenbei, dass seine Ideen im Betrieb zählen.

Digitalisierte Arbeitswelt

Die vierte Position ist die neueste. Sie zielt auf Kompetenzen, die in jedem Beruf gebraucht werden, unabhängig davon, wie technisch er ist. Dazu gehören unter anderem der sichere Umgang mit Daten und digitalen Medien, Datenschutz und Informationssicherheit, das Recherchieren und Bewerten von Informationen, digitale Kommunikation und Zusammenarbeit sowie Lern- und Arbeitstechniken.

Ein Beispiel aus dem Handwerk: Ein Dachdecker-Azubi dokumentiert Schäden mit dem Tablet, lädt die Fotos ins Auftragssystem und muss wissen, was er mit Kundendaten tun darf und was nicht. An der Hotelrezeption geht es um Buchungssysteme, um den Umgang mit Gästedaten und um betrügerische Mails, die als Buchungsanfrage getarnt sind. Für den Ausbilder bedeutet das: Digitale Werkzeuge nicht nur benutzen lassen, sondern auch darüber sprechen, warum man etwas so macht und wo die Risiken liegen.

Ehrlich gesagt fühlen sich manche erfahrene Ausbilder bei diesem Thema unsicherer als ihre Azubis. Das ist kein Problem, solange man es offen anspricht. Du musst nicht jedes Tool besser kennen als der Azubi. Deine Aufgabe ist, nach Sorgfalt, Datenschutz und Verantwortung zu fragen, und da hast du meist mehr Erfahrung als jemand, der gerade von der Schule kommt.

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Wie die Umsetzung im Betrieb gelingt

Weil die Positionen integrativ vermittelt werden, besteht die Gefahr, dass sie im Alltag untergehen. Jeder geht davon aus, dass das schon irgendwie mitläuft. Am Ende der Ausbildung merkt man dann, dass der Azubi nie über Nachhaltigkeit nachgedacht hat. Dagegen helfen drei Dinge:

  1. Die Positionen gehören in den betrieblichen Ausbildungsplan, mit Zuordnung zu Abteilungen und Zeiträumen.
  2. Konkrete Lernaufträge greifen ein Thema bewusst auf, etwa eine Gefährdungsanalyse am eigenen Arbeitsplatz oder ein Vorschlag zum Energiesparen.
  3. In regelmäßigen Gesprächen fragst du nach, was der Azubi zu diesen Themen gelernt hat, zum Beispiel beim Durchsehen des Ausbildungsnachweises.

Hilfreich ist auch, die Ausbildungsbeauftragten einzubeziehen. Wer im Lager oder in der Buchhaltung anleitet, sollte wissen, dass Arbeitsschutz, Datenschutz oder sparsamer Materialeinsatz dort ganz selbstverständlich mit vermittelt werden sollen.

Standardberufsbildpositionen in der AEVO-Prüfung

Weil die Positionen vergleichsweise neu sind, tauchen sie in Prüfungsaufgaben gern auf. Du solltest die vier Bezeichnungen kennen und erklären können, was integrative Vermittlung bedeutet. Typisch ist auch die Frage, wie du ein Thema wie Nachhaltigkeit konkret in deinem Betrieb umsetzt.

Für die praktische Prüfung bieten die Positionen gute Themen, weil sie in jedem Beruf vorkommen. Eine Unterweisung zum sicheren Umgang mit Passwörtern, zum richtigen Entsorgen von Gefahrstoffabfällen oder zum Einrichten eines Bildschirmarbeitsplatzes passt zu vielen Berufen. Achte darauf, das Thema berufsbezogen zu gestalten, damit der Prüfungsausschuss sieht, dass du es auf deinen Beruf übertragen kannst. Eine Präsentation zur Vermeidung von Retouren im Onlinehandel ist ein gutes Beispiel für ein Thema, das klein genug für 15 Minuten ist und trotzdem echte Lernziele hat.

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Häufige Fragen

Nur, wenn dein Beruf seit 2021 neu geordnet oder modernisiert wurde. Sonst gelten die früheren Standardpositionen aus deiner Ausbildungsordnung.

Sie gehören zu den Inhalten des Ausbildungsrahmenplans und können deshalb Prüfungsgegenstand sein. Wie genau, regeln die Prüfungsanforderungen der jeweiligen Ausbildungsordnung.

Eine bestimmte Form ist nicht vorgeschrieben. Es hilft aber, die vier Positionen im betrieblichen Plan sichtbar zu machen, damit sie im Alltag nicht untergehen.

Oliver Misch
Oliver Misch
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