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Handlungsfeld 3 · Ausbildung durchführen

Unterweisungen im Ausbildungsalltag vorbereiten und durchführen

Eine gute Unterweisung dauert oft nur zehn Minuten, braucht aber einen Plan. Wie du Arbeitsschritte im Betrieb so vermittelst, dass sie sitzen.

6 Min. Lesezeitvon Oliver MischStand November 2026

Der größte Teil dessen, was Azubis im Betrieb lernen, wird nicht in Seminaren vermittelt, sondern zwischendurch: Ein Geselle zeigt, wie man eine Steckdose richtig anschließt, eine Sachbearbeiterin erklärt, wie eine Eingangsrechnung geprüft wird, ein Koch führt vor, wie man Fisch filetiert. Solche Unterweisungen sind das tägliche Brot der Ausbildung. Ob sie gelingen, entscheidet darüber, ob Azubis selbstständig arbeiten lernen oder ständig nachfragen müssen.

Unterweisungen im Alltag sind meist kurz und finden direkt am Arbeitsplatz statt. Trotzdem lohnt sich eine kleine Planung. Wer sich vorher drei Minuten Gedanken macht, was der Azubi am Ende können soll und wie er dorthin kommt, spart sich später viele Wiederholungen.

Diese Seite behandelt die Unterweisung als Werkzeug im Betrieb. Wie die Unterweisung in der AEVO-Prüfung abläuft, steht im Ratgeber zur praktischen Prüfung, die klassische Methode mit ihren Stufen im Ratgeber zur Vier-Stufen-Methode.

Was mit Unterweisung gemeint ist

Eine Unterweisung ist eine geplante Lernsituation, in der ein Ausbilder einem oder wenigen Azubis einen konkreten Arbeitsschritt, einen Ablauf oder eine Fertigkeit vermittelt. Sie ist stärker vom Ausbilder gesteuert als etwa ein Lernauftrag, bei dem Azubis sich Inhalte selbst erarbeiten. Gerade für neue Handgriffe und für alles, bei dem Fehler teuer oder gefährlich werden können, ist sie die passende Form.

Abzugrenzen ist die Sicherheitsunterweisung im Sinne des Arbeitsschutzes. Sie ist vorgeschrieben, muss vor Aufnahme der Tätigkeit und danach regelmäßig erfolgen und wird dokumentiert. Dazu gibt es eine eigene Seite zu Arbeitsschutz und Sicherheitsunterweisung. In der Praxis gehören Sicherheitshinweise aber in fast jede fachliche Unterweisung hinein.

Die Planung vorab

Für eine Unterweisung im Alltag brauchst du keinen schriftlichen Entwurf über mehrere Seiten. Ein paar Fragen solltest du aber vorher beantworten können:

  • Was genau soll der Azubi danach können? Ein klares Ziel wie „selbstständig eine Kundenadresse im System anlegen und auf Dubletten prüfen“ hilft mehr als „Kundenverwaltung erklären“.
  • Was weiß und kann er schon? Darauf baust du auf.
  • In welche Teilschritte zerfällt der Ablauf, und wo liegen die kritischen Punkte?
  • Welche Materialien, Werkzeuge und Medien brauchst du?
  • Wie stellst du am Ende fest, ob es sitzt?

Die Zerlegung in Teilschritte ist der wichtigste Teil. Erfahrene Fachkräfte machen viele Handgriffe automatisch und merken gar nicht mehr, wie viele Einzelentscheidungen darin stecken. Hilfreich ist, den Ablauf einmal bewusst langsam selbst durchzugehen und dabei zu notieren, worauf es ankommt: die Kernpunkte, an denen Anfänger typischerweise Fehler machen. Wie du Ziele sauber formulierst, steht unter Lernziele richtig formulieren.

Merke: Erst den ganzen Ablauf zeigen, dann die Kernpunkte langsam und begründet, dann den Azubi selbst machen lassen. Ohne Übung in den folgenden Tagen bleibt wenig hängen.

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Zeit und Ort wählen

Unterweisungen gelingen schlecht unter Zeitdruck. Wer einer Azubi im Handel kurz vor Ladenschluss am vollen Kassenbereich die Retourenabwicklung erklärt, wird nur Bruchstücke vermitteln. Besser ist eine ruhige Phase, in der ihr beide nicht ständig unterbrochen werdet. Das muss keine lange Zeit sein. Viele Arbeitsschritte lassen sich in zehn bis zwanzig Minuten gut unterweisen. Komplexere Abläufe teilst du lieber in mehrere kurze Einheiten auf als in eine lange.

Der Ort ist meistens der echte Arbeitsplatz, weil dort Werkzeug, Material und Umgebung so sind wie später bei der Arbeit. Manchmal ist ein ruhigerer Ort besser: eine Lehrwerkstatt, ein Besprechungsraum oder ein Testsystem statt der echten Kundendatenbank. Achte auf Lärm, Licht und die Position. Der Azubi muss sehen können, was du tust, und zwar möglichst aus seiner späteren Arbeitsperspektive, also neben dir und nicht dir gegenüber.

Einstieg: ankommen und Ziel klären

Der Einstieg dauert oft nur ein, zwei Minuten, ist aber entscheidend. Hier klärst du, worum es geht und warum es wichtig ist. Ein Azubi, der weiß, dass eine falsch angelegte Kundenadresse später zu fehlgeleiteten Lieferungen und Ärger mit dem Kunden führt, hört anders zu als einer, der nur „jetzt mal das“ hört. Gut sind Fragen, die an Vorwissen anknüpfen: „Hast du schon gesehen, wie die Kollegen das machen?“ oder „Was glaubst du, worauf man hier achten muss?“

Zum Einstieg gehört auch, das Ziel und den Rahmen zu nennen: wie lange es dauert und was am Ende passiert. Das nimmt Unsicherheit, besonders bei Azubis, die neu im Betrieb sind.

Erarbeitung: zeigen, erklären, machen lassen

In der Erarbeitung wird der eigentliche Inhalt vermittelt. Bei Handgriffen hat sich bewährt, erst einmal den ganzen Ablauf in normalem Tempo zu zeigen, damit der Azubi ein Gesamtbild bekommt. Dann zeigst du Schritt für Schritt langsam, benennst die Kernpunkte und begründest sie. Danach macht der Azubi es selbst nach, während du beobachtest und bei Bedarf korrigierst. Dieses Grundmuster aus Vorbereiten, Vormachen, Nachmachen und Üben ist im Kern die Vier-Stufen-Methode.

Wichtiger als das starre Schema ist das Prinzip: so viel wie möglich vom Azubi selbst machen und denken lassen. Statt alles zu erklären, kannst du fragen: „Was meinst du, warum ich das Blech einspanne, bevor ich anreiße?“ Wer selbst nachdenkt, behält mehr. Fehler beim Nachmachen sind kein Scheitern, sondern Material zum Lernen, solange sie nicht gefährlich sind. Bei Medien gilt: so wenige wie nötig, so gut gewählt wie möglich, mehr dazu bei Ausbildungsmedien auswählen.

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Sicherung: üben und festhalten

Die Sicherung entscheidet, ob das Gelernte bleibt. Der Azubi wiederholt den Ablauf möglichst allein, erklärt dabei, was er tut, und bekommt eine Rückmeldung. Danach braucht es Übung. Ein Arbeitsschritt, der einmal unterwiesen und dann zwei Wochen nicht mehr gebraucht wird, ist meist wieder weg. Plane deshalb bewusst ein, dass der Azubi den Ablauf in den nächsten Tagen mehrmals selbst ausführt.

Hilfreich sind kleine Gedächtnisstützen: eine Checkliste am Arbeitsplatz, ein Foto des fertigen Ergebnisses oder ein Eintrag im Berichtsheft. Am Ende kann ein Ausblick stehen: Was kommt als Nächstes, wo wird das Gelernte wieder gebraucht? Wer den Schritt sicher beherrscht, kann ihn anschließend in einem größeren Lernauftrag selbstständig anwenden.

Häufige Stolpersteine

Der Klassiker ist zu viel auf einmal. Wer in einer Viertelstunde den kompletten Ablauf einer Monatsabrechnung oder einer Heizungswartung durchgeht, hat zwar alles gesagt, aber der Azubi hat nur einen Bruchteil verstanden. Ebenso häufig: Fachbegriffe, die für dich selbstverständlich sind, für den Azubi aber nicht. Wenn du merkst, dass er nickt, aber nicht fragt, lohnt die Kontrollfrage „Erklär mir mal, warum wir das so machen.“

Ein dritter Stolperstein ist die fehlende Kontrolle am Ende. „Alles klar?“ wird fast immer mit Ja beantwortet, auch wenn nichts klar ist. Lass den Azubi lieber zeigen, was er kann. Und schließlich: Ungeduld. Wer dem Azubi das Werkzeug aus der Hand nimmt, weil es selbst schneller geht, spart zwei Minuten und verliert eine Lerngelegenheit.

Alltag und Prüfung: was gleich ist und was nicht

Die Unterweisung im Betrieb und die Unterweisung in der praktischen AEVO-Prüfung folgen denselben Grundgedanken, unterscheiden sich aber im Rahmen. Im Alltag reagierst du flexibel, unterbrichst, wenn ein Kunde kommt, und machst morgen weiter. In der Prüfung hast du für die Durchführung höchstens 15 Minuten und eine vorher genau geplante Situation, bei der die Prüfer auf den Aufbau achten. Dort zählt, dass Einstieg, Erarbeitung und Sicherung klar erkennbar sind und das Lernziel am Ende überprüft wird.

Wer im Alltag regelmäßig strukturiert unterweist, hat in der Prüfung einen Vorteil: Die Abläufe sitzen, und im Fachgespräch fallen dir echte Beispiele ein. In der schriftlichen Prüfung tauchen Fragen zur Gliederung einer Unterweisung, zur Wahl von Zeit und Ort und zu typischen Fehlern auf.

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Häufige Fragen

So viel, wie der Azubi auf einmal aufnehmen kann. Bei Anfängern lieber einen überschaubaren Abschnitt gründlich als einen langen Ablauf oberflächlich.

Eine förmliche Dokumentation ist für fachliche Unterweisungen nicht vorgeschrieben, der Azubi hält die Inhalte aber im Ausbildungsnachweis fest. Sicherheitsunterweisungen dagegen sind zu dokumentieren.

Ja. Ausbildungsbeauftragte können unter der Verantwortung des Ausbilders Teile der Ausbildung übernehmen. Es hilft, wenn sie das Grundmuster einer guten Unterweisung kennen.

Oliver Misch
Oliver Misch
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