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Handlungsfeld 1 · Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen

Den betrieblichen Ausbildungsplan erstellen: vom Rahmenplan zum eigenen Fahrplan

Der Ausbildungsrahmenplan sagt, was gelernt werden muss. Der betriebliche Ausbildungsplan sagt, wann, wo und bei wem das in deinem Betrieb passiert. So baust du ihn auf.

5 Min. Lesezeitvon Oliver MischStand November 2026

Wer zum ersten Mal einen Ausbildungsrahmenplan liest, hat danach selten das Gefühl, jetzt zu wissen, was er mit dem Azubi am Montag macht. Der Rahmenplan ist für alle Betriebe in Deutschland gleich. Er beschreibt, welche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, und gibt grob vor, in welchem Zeitraum. Wie das in einer Bäckerei mit drei Filialen oder in einem Maschinenbauunternehmen mit zehn Abteilungen konkret aussieht, steht dort nicht.

Diese Übersetzung leistet der betriebliche Ausbildungsplan. Er ist der Fahrplan für die gesamte Ausbildungszeit, und er gehört als Anlage zum Ausbildungsvertrag: Die Vertragsniederschrift muss Angaben zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Ausbildung enthalten. Ohne Plan keine vollständigen Vertragsunterlagen.

Hier erfährst du, wie du vom Rahmenplan zum betrieblichen Plan kommst, was in die sachliche und zeitliche Gliederung gehört und wie du Berufsschule, Prüfungen und Zuständigkeiten einbaust.

Der Rahmenplan als Ausgangspunkt

Bevor du planst, musst du den Ausbildungsrahmenplan lesen und verstehen. Er ist nach Berufsbildpositionen gegliedert, also nach inhaltlichen Bereichen wie Kundenberatung, Instandhaltung oder Warenwirtschaft. Zu jeder Position gibt es Lernziele, die beschreiben, was der Azubi am Ende können soll. In neueren Ordnungen sind die Inhalte Zeiträumen zugeordnet, etwa den ersten fünfzehn Monaten, und mit Zeitrichtwerten in Wochen versehen.

Die Lernziele sind Mindestinhalte. Du darfst mehr vermitteln, aber nicht weniger. Von der Reihenfolge und den Zeitrichtwerten darfst du abweichen, wenn betriebspraktische Gründe das erfordern. Ein Saisonbetrieb wie eine Gärtnerei legt Inhalte zur Pflanzenvermehrung sinnvollerweise in die Jahreszeit, in der das auch passiert, selbst wenn der Rahmenplan eine andere Reihenfolge nahelegt. Ein Rahmenplan, der vorsieht, dass Inhalte vor einer Zwischenprüfung oder vor Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung vermittelt werden, setzt dir allerdings eine Grenze: Was dort geprüft wird, muss bis dahin dran gewesen sein.

Die sachliche Gliederung

In der sachlichen Gliederung übersetzt du die Lernziele des Rahmenplans in die Sprache des Betriebs. Statt nur die Lernziele abzuschreiben, ordnest du ihnen konkrete Tätigkeiten, Aufträge und Arbeitsplätze zu. Aus dem Lernziel, Kunden über Produkte zu beraten, wird im Elektrofachhandel zum Beispiel: Beratung zu Haushaltsgeräten im Verkaufsraum, Begleitung bei Kundenterminen zur Küchenplanung, Bearbeitung von Reklamationen am Service-Tresen.

Das klingt nach Fleißarbeit, und das ist es auch. Es zahlt sich aber aus. Wenn du die Tätigkeiten konkret benennst, siehst du sofort, wo der Betrieb einen Inhalt gut abdeckt und wo es dünn wird. Für solche Lücken brauchst du eine Lösung, etwa einen Lehrgang oder einen Einsatz bei einem Partner. Beides gehört dann ebenfalls in den Plan.

Denk außerdem daran, dass der Plan zum einzelnen Azubi passen muss. Wer mit Abitur oder einer abgebrochenen Ausbildung startet und deshalb eine verkürzte Ausbildungszeit hat, braucht eine gestraffte Gliederung. Wer Vorkenntnisse aus einem Praktikum oder einem Nebenjob mitbringt, muss manche Grundlagen nicht noch einmal von vorn durchlaufen. Bei Berufen mit Wahlqualifikationen oder Fachrichtungen bildet der Plan genau die Auswahl ab, die im Vertrag steht. Eine Vorlage aus dem Vorjahr ist ein guter Startpunkt, aber kein fertiger Plan.

Merke: Der betriebliche Ausbildungsplan ist Teil der Vertragsunterlagen und kein Formular für die Ablage. Ein guter Plan wird während der Ausbildung angepasst, wenn sich im Betrieb etwas ändert.

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Die zeitliche Gliederung

Die zeitliche Gliederung legt fest, wann welche Inhalte vermittelt werden. Ein bewährtes Vorgehen ist, zuerst alle festen Termine einzutragen, die du nicht beeinflussen kannst: Berufsschultage oder Blockwochen, Urlaub, Lehrgänge in einer Bildungsstätte, Zwischenprüfung bzw. Teil 1 der Abschlussprüfung und die Abschlussprüfung selbst. Erst danach verteilst du die betrieblichen Inhalte auf die verbleibende Zeit.

Dabei hilft eine einfache Regel: vom Einfachen zum Schwierigen, vom Überblick zum Detail. Im ersten Halbjahr stehen Grundlagen und Inhalte, die der Azubi für sicheres Arbeiten braucht, also auch Arbeitsschutz und Betriebsorganisation. Komplexe Aufgaben mit viel Verantwortung folgen später. Plane außerdem Puffer ein. Krankheit, Auftragsspitzen oder ein Azubi, der länger braucht, bringen jeden zu knappen Plan durcheinander.

Lernorte und Verantwortliche zuordnen

Ein Plan, der nur Inhalte und Zeiten nennt, sagt noch nicht, wer sich kümmert. Ordne deshalb jedem Abschnitt eine Abteilung oder einen Arbeitsplatz und eine verantwortliche Person zu. In größeren Betrieben ist das meist eine ausbildende Fachkraft, die den Azubi in dieser Zeit anleitet. In kleinen Betrieben stehen oft immer dieselben zwei Namen da, und auch das ist in Ordnung.

Wenn der Azubi im Lauf der Ausbildung mehrere Abteilungen durchläuft, ergibt sich aus diesen Zuordnungen ein Versetzungsplan. Wie du ihn aufbaust und mit den Abteilungen abstimmst, steht auf der Seite Versetzungsplan und Lernorte im Betrieb. Wichtig ist, dass die Verantwortlichen den Plan kennen. Eine Fachkraft, die erst am Montagmorgen erfährt, dass ab heute ein Azubi bei ihr ist, wird ihn kaum gut anleiten.

Berufsschule und Prüfungen mitdenken

Die Berufsschule arbeitet nach dem Rahmenlehrplan, der mit dem Ausbildungsrahmenplan abgestimmt ist, aber nicht deckungsgleich. Es lohnt sich, bei der Berufsschule nachzufragen, welche Lernfelder wann unterrichtet werden. Wenn der Azubi im Betrieb gerade dann mit der Lohnabrechnung zu tun hat, wenn sie in der Schule dran ist, lernt er doppelt. Mehr zur Zusammenarbeit steht unter Berufsschule und Lernortkooperation.

Bei den Prüfungen kommt es auf die Prüfungsform an. Bei einer gestreckten Abschlussprüfung zählt Teil 1 schon für das Endergebnis. Die Inhalte, die dort geprüft werden, müssen rechtzeitig vermittelt und gefestigt sein. Plane vor den Prüfungen außerdem Zeit für Wiederholung und Prüfungsvorbereitung ein, nicht nur für neue Inhalte.

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Ein Beispiel aus dem Büro

Eine Hausverwaltung mit zwölf Beschäftigten bildet Immobilienkaufleute aus. Im ersten Halbjahr arbeitet der Azubi im Empfang und in der Korrespondenz, lernt die Software, die Ablage und die Abläufe im Haus kennen. Danach folgt ein längerer Abschnitt in der Mietverwaltung mit Mieterkommunikation und Vertragsunterlagen, betreut von einer erfahrenen Sachbearbeiterin. Im zweiten Jahr kommt die Buchhaltung mit Nebenkostenabrechnungen dazu, und die Begleitung zu Wohnungsübergaben. Für die Vermarktung von Objekten, die die Verwaltung selbst kaum macht, wird ein Einsatz bei einem befreundeten Maklerbüro eingeplant.

Für jeden Abschnitt steht im Plan, welche Lernziele dort vermittelt werden, wer verantwortlich ist und wann der Azubi in der Berufsschule bzw. im Lehrgang ist. Das passt auf wenige Seiten. Mehr braucht es nicht, solange der Plan genutzt wird.

Der Plan im Prüfungsfall und im Alltag

In der AEVO-Prüfung gehört der betriebliche Ausbildungsplan zu den Klassikern. Typische Fragen sind: Wer erstellt ihn, worauf stützt er sich, was gehört in die sachliche und was in die zeitliche Gliederung, wann darf man vom Rahmenplan abweichen? Du solltest den Unterschied zwischen Ausbildungsrahmenplan, Rahmenlehrplan der Schule und betrieblichem Plan sicher erklären können. Häufig wird außerdem gefragt, wem der Plan auszuhändigen ist: Er ist Teil der Vertragsunterlagen, die der Azubi erhält.

Im Alltag ist der wichtigste Punkt, dass der Plan lebt. Ändert sich etwas, etwa weil eine Abteilung umzieht oder ein Verantwortlicher geht, passt du ihn an und sprichst mit dem Azubi darüber. Ein kurzer Abgleich alle paar Monate zeigt, ob ihr im Zeitplan seid und ob Inhalte offen sind. Dazu passen sauber formulierte Lernziele für einzelne Abschnitte, an denen du den Fortschritt messen kannst.

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Häufige Fragen

Er gehört zu den Unterlagen, die mit dem Vertrag zur Eintragung vorgelegt werden. Viele Kammern bieten Vorlagen an, an die du dich halten kannst.

Ja, Anpassungen sind normal, solange die Mindestinhalte des Rahmenplans weiter vermittelt werden. Größere Änderungen solltest du dokumentieren und mit dem Azubi besprechen.

Für jeden Ausbildungsvertrag braucht es einen Plan. Bei mehreren Azubis im selben Beruf kann er gleich aufgebaut sein, sollte aber Unterschiede wie eine verkürzte Ausbildung oder andere Wahlqualifikationen berücksichtigen.

Oliver Misch
Oliver Misch
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