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Handlungsfeld 1 · Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen

Aufgaben und Rolle des Ausbilders über das Jahr

Ausbilder planen, erklären, beurteilen, vermitteln zwischen Azubi, Team und Berufsschule und bereiten auf die Prüfung vor. Ein Überblick über die Aufgaben und darüber, wie sich die Rolle verändert hat.

6 Min. Lesezeitvon Oliver MischStand November 2026

Wer zum ersten Mal Ausbilder wird, unterschätzt oft, wie viele Aufgaben dazugehören. Es reicht nicht, dem Azubi zu zeigen, wie man einen Schaltschrank verdrahtet oder eine Rechnung bucht. Ausbilder planen Monate im Voraus, führen Gespräche, schreiben Beurteilungen, telefonieren mit der Berufsschule, beruhigen Eltern, melden zur Prüfung an und sind manchmal einfach der Mensch, zu dem ein Azubi geht, wenn es zu Hause brennt.

Gleichzeitig hat sich das Bild davon, was ein guter Ausbilder ist, verschoben. Früher stand die Unterweisung im Mittelpunkt: vormachen, nachmachen, üben. Heute sieht der neue AEVO-Rahmenplan Ausbilder vor allem als Lernbegleitung, die Azubis zum selbstständigen Arbeiten führt.

Diese Seite gibt dir einen Überblick über die Aufgaben im Lauf eines Ausbildungsjahres und erklärt, was der Rollenwandel praktisch bedeutet. Die Haltung als Lernbegleiter im Detail findest du auf der Seite Lernprozesse begleiten statt nur unterweisen.

Vor dem Start: planen und vorbereiten

Die Arbeit des Ausbilders beginnt lange vor dem ersten Ausbildungstag. Er wirkt bei der Frage mit, ob und wie viele Azubis eingestellt werden, gestaltet die Auswahl mit und bereitet den Ausbildungsvertrag vor. Er erstellt den betrieblichen Ausbildungsplan und stimmt ihn mit den Abteilungen ab. Er sorgt dafür, dass ein Arbeitsplatz, Arbeitsmittel und gegebenenfalls Schutzausrüstung bereitstehen und dass das Team weiß, wer kommt.

In einem kleinen Handwerksbetrieb erledigt das alles eine Person, oft der Meister nebenbei. In einem Industrieunternehmen gibt es dafür eine Ausbildungsabteilung. Die Aufgaben sind im Kern dieselben, nur die Arbeitsteilung ist anders.

Die ersten Wochen: ankommen lassen

Die ersten Wochen prägen, wie ein Azubi die Ausbildung erlebt. Der Ausbilder plant den ersten Tag, stellt den Betrieb vor, erklärt Regeln, Arbeitszeiten und Ansprechpartner und führt die vorgeschriebenen Unterweisungen zum Arbeitsschutz durch. Er sorgt dafür, dass der Azubi nicht tagelang herumsteht, aber auch nicht sofort in die volle Verantwortung geworfen wird.

In dieser Phase klärt der Ausbilder außerdem Erwartungen auf beiden Seiten: Was erwartet der Betrieb, was erwartet der Azubi? Ein kurzes Gespräch nach den ersten Wochen zeigt, ob der Start geklappt hat. Bei Jugendlichen gehört dazu auch, das Jugendarbeitsschutzgesetz im Blick zu haben, etwa bei Arbeitszeiten und Pausen. Und die Probezeit ist für beide Seiten die Gelegenheit zu prüfen, ob die Ausbildung passt.

Merke: Der neue AEVO-Rahmenplan sieht Ausbilder vor allem als Lernbegleitung. Das heißt nicht, dass nicht mehr gezeigt und erklärt wird, sondern dass Azubis mehr selbst erarbeiten und der Ausbilder sie dabei begleitet.

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Im laufenden Jahr: vermitteln, begleiten, beurteilen

Den größten Teil des Jahres nimmt die eigentliche Ausbildung ein. Der Ausbilder vermittelt Inhalte selbst oder sorgt dafür, dass ausbildende Fachkräfte das tun. Er wählt Methoden aus, stellt Aufgaben, kontrolliert Ergebnisse und gibt Rückmeldung. Er überprüft regelmäßig den Ausbildungsnachweis und zeichnet ihn ab. Er achtet darauf, dass der Azubi nur Aufgaben bekommt, die dem Ausbildungszweck dienen, und nicht dauerhaft Kaffee kocht oder Paletten stapelt.

Dazu kommen Beurteilungen. In vielen Betrieben gibt es halbjährliche oder jährliche Beurteilungsgespräche, in denen Ausbilder und Azubi auf den Stand schauen und Ziele vereinbaren. Wie ein solches Gespräch gut gelingt, steht unter Das Beurteilungsgespräch. Wenn es Probleme gibt, ob beim Lernen, im Verhalten oder privat, ist der Ausbilder oft der Erste, der sie bemerkt. Er muss sie nicht alle lösen, aber ansprechen und, wo nötig, Hilfe vermitteln.

Kontakt zu Berufsschule und Eltern

Ausbildung findet an zwei Lernorten statt, und der Ausbilder ist die Verbindung zum zweiten. Er sollte wissen, welche Themen in der Berufsschule gerade dran sind, und Zeugnisse sowie Rückmeldungen der Lehrkräfte kennen. Bei Problemen, etwa häufigem Fehlen oder schlechten Noten, sucht er das Gespräch mit der Schule. Wie das gut organisiert wird, steht auf der Seite zu Berufsschule und Lernortkooperation.

Bei minderjährigen Azubis kommen die Eltern dazu. Sie haben den Vertrag mit unterschrieben und sind bei wichtigen Themen Ansprechpartner. Ein Kennenlernen zu Beginn hilft, damit man sich später nicht erst im Konfliktfall begegnet. Bei volljährigen Azubis ist das anders: Hier sprichst du mit den Eltern nur, wenn der Azubi das möchte.

Prüfungen und Abschluss

Gegen Ende der Ausbildung verschiebt sich der Schwerpunkt. Der Ausbilder sorgt dafür, dass der Azubi rechtzeitig zur Zwischenprüfung bzw. zu Teil 1 und zur Abschlussprüfung angemeldet ist, dass alle Inhalte vermittelt sind und dass der Ausbildungsnachweis vollständig ist. Er bereitet gezielt auf die Prüfung vor, etwa mit Übungsaufgaben und Probeprüfungen. Mehr dazu steht unter Azubis auf die Abschlussprüfung vorbereiten.

Nach der Prüfung folgen die letzten Aufgaben: das Ausbildungszeugnis, das der Betrieb ausstellen muss, und das Gespräch über die Übernahme, das idealerweise schon Monate vorher stattgefunden hat. Danach beginnt der Kreislauf für den nächsten Jahrgang von vorn.

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Rollen jenseits der Fachlichkeit

Neben den Aufgaben, die man in einen Kalender schreiben kann, hat der Ausbilder Rollen, die sich schwer planen lassen. Er ist Vorbild, ob er will oder nicht. Wer selbst ohne Schutzbrille an der Schleifmaschine steht, braucht dem Azubi nichts über Arbeitsschutz zu erzählen. Wer über Kunden lästert, darf sich nicht wundern, wenn der Azubi am Telefon unfreundlich ist. Azubis lernen viel mehr durch Beobachtung, als ihnen und uns bewusst ist.

Er ist außerdem Vermittler zwischen Azubi und Team. Wenn ein Geselle findet, dass die Azubis heute zu weich sind, oder eine Azubine sich von einer Kollegin ungerecht behandelt fühlt, landet das oft beim Ausbilder. Hier hilft eine klare Haltung: Der Ausbilder steht nicht automatisch auf der Seite des Azubis, aber er sorgt dafür, dass Konflikte fair geklärt werden. Und er kennt seine Grenzen. Bei Sucht, Schulden, Gewalt in der Familie oder psychischen Krisen ist seine Aufgabe, aufmerksam zu sein und Hilfe zu vermitteln, nicht, sie selbst zu leisten.

Vom Unterweiser zum Lernbegleiter

Der AEVO-Rahmenplan von 2023 setzt einen deutlichen Akzent: Ausbilder sollen Lernprozesse begleiten, statt vor allem zu unterweisen. Dahinter steht die Erfahrung, dass Menschen besser und nachhaltiger lernen, wenn sie Aufgaben selbst planen, ausführen und prüfen, als wenn sie nur nachmachen. Der Ausbilder wird damit stärker zum Berater, der Fragen stellt, Material bereitstellt und den Azubi bei Schwierigkeiten unterstützt.

Das heißt nicht, dass Vormachen falsch geworden ist. Wer zum ersten Mal an eine Drehmaschine geht, braucht eine klare Unterweisung, schon aus Sicherheitsgründen. Und ein Azubi in der Systemgastronomie, der am ersten Tag die Kasse bedient, braucht einen festen Ablauf. Der Wandel betrifft eher das Gewicht: weniger Erklären, mehr Begleiten, je weiter die Ausbildung fortgeschritten ist. Ehrlich gesagt verlangt das vom Ausbilder oft mehr als die klassische Unterweisung, weil er aushalten muss, dass der Azubi Umwege geht und Fehler macht.

Was die Prüfung zur Ausbilderrolle fragt

In der schriftlichen Prüfung wird die Ausbilderrolle gern mit Fragen nach konkreten Aufgaben abgefragt, oft verteilt auf alle vier Handlungsfelder. Du solltest Aufgaben den Phasen der Ausbildung zuordnen können und wissen, was zum Rollenverständnis nach dem neuen Rahmenplan gehört. Auch die Abgrenzung zu den anderen Rollen im Betrieb ist ein Klassiker. Sie steht auf der Seite zu Ausbildern und Ausbildungsbeauftragten.

In der praktischen Prüfung zeigst du die Rolle direkt: Ob du in deiner Ausbildungssituation alles selbst erklärst oder den Azubi mit gezielten Fragen zum Ergebnis führst, bemerkt der Prüfungsausschuss sofort. Im Fachgespräch kannst du begründen, warum du dich für welche Vorgehensweise entschieden hast.

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Häufige Fragen

Nein. Er trägt die Verantwortung, kann die Vermittlung aber in Teilen an geeignete Fachkräfte übertragen, solange er den Überblick behält.

Das hängt stark von der Zahl der Azubis, vom Beruf und von der Organisation ab. Klar ist nur, dass Ausbildung Zeit braucht und diese Zeit im Arbeitsalltag eingeplant werden sollte.

Er ist oft erster Ansprechpartner, aber kein Therapeut oder Schuldnerberater. Seine Aufgabe ist, Probleme ernst zu nehmen und an passende Stellen weiterzuvermitteln.

Oliver Misch
Oliver Misch
AEVO-Training · unabhängige Plattform zur Ausbildereignungsprüfung